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Über den Dächern 

 

Über den Dächern spann ich ein Tuch, leg die Betten aus, über den Dächern mit Dir, das Klopfen der Dachdecker gibt uns Takt und Reim, ein erleuchtetes Fenster in der Nacht spendet uns Licht, unten Kinder, ein Vater, die Mutter, Stimmen, das Panorama der Höfe und Dächer bildet die Bühne unserer Gespräche, unser sind am Tag die gefleckten und bemoosten Dachpfannen, die ziegelrot lackierten Kaminaufsätze lehren uns den Buddhismus, ein Kamin mit Helm und Visier ruft Krieg auf, zwei Fliesen wie zum Dach auf einem Kamin an einander gelegt werden unser Haus, die Abendsonntaucht die Berge in ein tiefes Rot, die Nacht befeuchtet die Laken mit ihrem Tau, das Sternenmeer umhüllt uns, weist Richtung und hält das Unvorstellbare in Schwebe, der Wipfel des grünen Nussbaumes in der Morgendämmerung ist voller Träume, Vorstellungen, Vogelgezwitscher, irgendwo tönt ein Handywecker, eine Spülung wird gezogen, ein Räuspern und Brusten, ich decke das Frühstück im Morgenlicht über den Dächern vor dem Panorama der Berge, der Höfe, die Töne des beginnenden Tages lassen uns sein.