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Daniel Heller-Roazen:

In De libero arbitrio macht Augustinus aus dem Wahrnehmungsvermögen der Aristoteliker und dem stoischen Prinzip der animalischen Eigenempfindung die beiden Seiten ein und derselben Kraft, die allen Lebewesen gemein ist. Jener Sinn, der „nicht nur das wahrnimmt, was er von den fünf Sinnes des Körpers empfangen hat „ , sondern auch diese Sinne selbst wahrnimmt, ist in Wahrheit zugleich die Kraft, die es jedem lebenden Wesen erlaubt, zu überlebn und sich zu erhalten. „Denn“, erläutert Augustinus, „das Tier würde sich nicht etwas begehrend und meidend bewegen, wenn es nicht wahrnähme, dass es wahrnimmt, was nicht auf das Wissen zielt - denn das ist Sache der Vernunft - sondern bloß auf die Bewegung, die es gewiss nicht durch einen dieser Sinne wahrnimmt.“

 

Aus Daniel Heller-Roazen:
„Der Innere Sinn“ 
Archäologie eines Gefühls 
S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main (2012)
„The Inner Touch: Archaeology of a Sensation“ 
Amerikanische Orginalausgabe (2007)

 

Wissen vom Leben
„Worin Augustinus von Hippo mit etwas Hilfe von Aristoteles und einigen anderen den inneren Sinn erfindet“
Ka. 13, S. 168 - 169